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Wenn wir vom Sommer träumen, träumen wir von Einfachheit

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»Er hatte eine große, weiße, bezaubernde Villa am Mittelmeer gemietet, und wir träumten schon seit den ersten heißen Junitagen von ihr. Sie lag abseits, auf einem Felsvorsprung, der in das Meer hineinragte, und ein Fichtenwald verbarg sie vor der Straße; Ein Ziegenpfad schlängelte sich zu einer kleinen goldgelben Bucht hinab, wo das Meer sich zwischen roten Felsen wiegte. Die ersten Tage waren strahlend schön. Wir verbrachten viele Stunden, ganz zerschlagen von der Hitze, am Strand und nahmen langsam eine gesunde, goldbraune Farbe an. … Ich war von frühen morgen an im Wasser; Es war frisch und durchsichtig, und ich grub mich hinein und tobte mich aus. Ich wollte mich von allen Schatten und allem Schmutz der Stadt reinigen. Dann streckte ich mich im Sand aus, griff eine Handvoll und ließ ihn in einem weichen, gelblichen Strahl durch meine Finger rinnen. Er verrinnt wie die Zeit, sagte ich mir – was für ein einfacher Gedanke, und wie angenehm war es, einfache Gedanken zu haben! Es war Sommer.«

Françoise Sagan: Bonjour tristesse, 1954

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»Hinter dem Felsen, zum offenen Meer hin, erschreckte sich ein Waldgürtel mit abgestorbenen Bäumen, der ständig dem Wind ausgesetzt war. Seit vielen hundert Jahren versuchte der Wald, gegen die Stürme anzuwachsen, dadurch hatte er ein ganz eigenes Gesicht erhalten. Im Vorbeirudern sah man deutlich, dass die Bäume sich vom Wind wegreckten, sie duckten und verknoteten sich, ja, viele von ihnen krochen geradezu. Nach und nach brachen die Stämme oder sie vermoderten und versanken, das abgestorbene Holz stützte oder erdrückte jenes, das noch grüne Spitzen hatte, und alles zusammen bildete hartnäckig eine verfilzte, unterwürfige Masse. Der Boden glänzte von braunen Nadeln, bis auf die Stellen, wo die Tannen beschlossen hatten zu kriechen, anstatt zu stehen, dort wucherte ihr Grün in einer üppigen Raserei, feucht und leuchtend wie in einem Urwald.«

Tove Jansson: Sommerbuch, 1972

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Die superschön illustrierte Ausgabe von »Bonjour tristesse« von Katrin Stangl. Die Illustrationen bringen einem nach Côte d’Azur, ohne dorthin zu reisen. <3

 

Allgemein Höpöhöpö

Sommernachtstraum

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Perfekt vorbereitet auf die weißen Nächte. Einen schönen Mittsommer! Hauskaa Juhannusta!

Juhannus

Leseinspiration für das Mittsommerwochenende:

Fjodor Dostojewski: Weiße Nächte

Tove Jansson: Sturm im Mumintal (Farlig midsommar)

William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum (A Midsummer Night’s Dream)

Henning Mankell: Mittsommermord

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Work in progress

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Ab heute Abend werde ich mit dem Stadtlichh Magazin auf der »WORK IN PROGRESS« Konferenz unterwegs sein. Drei tage lang wird es unter dem Thema »Der Wert von Arbeit« um den Wandel der Arbeitswelt gehen. Aus existenziellen Gründen ist die finanzielle Belohnung der Arbeit als Messung der Wertigkeit des eigenen Tuns ein wichtiges, aber nicht das einzig mögliche Bewertungssystem. Aber es funktioniert so stark, weil es klar messbare Fakten liefert und sehr konkret ist. Die Frage, ob man durch die eigene Arbeit das Leben finanzieren kann, wird wohl in der nächsten Zukunft nicht aus meinem Freiberufleralltag wegzudenken sein. Aber es gibt auch andere Bewertungssysteme, die wesentlich schwerer zu messen sind und oft in der von Zahlen dominierten Gesellschaft unterzugehen scheinen. Dazu gehört unter anderem der gesellschaftliche Wert: Ist meine Arbeit gesellschaftlich sinnvoll oder sogar notwendig, auch wenn das direkte finanzielle Nutzen schwer zu definieren sein wird? Bringt sie uns als Gesellschaft, als Team weiter? Oder der individuelle Wert: Welchen Bedeutung hat meine Arbeit für mich selbst? Ein entscheidender Aspekt für die Eigenmotivation und für die Lust immer wieder etwas neues zu entwickeln. Wie weit sind diese Werte wandelbar und welche Möglichkeiten gibt es, sie miteinander ins Gleichgewicht zu bringen? Zu diesen Punkten hoffe ich mir Inspiration durch den Austausch auf der Konferenz.

»Es ist eine Kunst, das zu tun, was man wirklich will. Eine große Kunst aber ist es, das bleiben zu lassen, was man nicht will.« Tex Drieschner

Ich bin sehr gespannt auf die Vorträge an den kommenden Tagen, besonders freue ich mich auf die Keynote von dem Soziologen und Ökonomen Jeremy Rifkin, die beiden Gründerinnen Nora-Vanessa Wohler und Susanne Hoffman von der Plattform EDITION F, auf der ich selbst gerne unterwegs bin und auf den sympathischen Architekten und Designer Van Bo Le-Mentzel.

 

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Welche Texte darf ich benutzen?

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Urheber

Bei der Suche nach einem geeigneten Text für mein nächstes Illustrationsprojekt, habe ich kurz die urheberrechtlichen Aspekte zusammengefasst, die für die Auswahl entscheidend sind. Welche Texte darf ich für mein Projekt benutzen und gegebenenfalls herausgeben?

Die einfachste Variante wäre es einen gemeinfreien (ähnlich zu engl. public domain) Text zu wählen. Als Gemeinfrei bezeichnet man Werke, die ohne eine Genehmigung und kostenfrei zu jedem beliebigen Zweck verwendet werden können. Gemeinfrei werden urhebergeschützte Werke in der EU, USA, Russland grundsätzlich 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. (andere Länder: siehe Berner Übereinkunft) Bei ausländischen Autoren können durch Übersetzungen, auch nach dem Tod des Autors neue Urheberrechte für den Übersetzer entstanden sein, die noch darüber hinaus gültig sind und beachtet werden müssen. Ab dem 1.1.2015 sind Texte von Autoren, die 1944 gestorben sind, gemeinfrei geworden.

Eine weitere Möglichkeit wären Texte mit einer CC-Lizenz, die die gemeinnützige Organisation »Creative Commons« zur Verfügung stellt. Mit diesen Lizenzen kann ein Autor auf einfacher Weise – obwohl noch nicht 70 Jahre tot – Nutzungsrechte der Öffentlichkeit einräumen. Es gibt viele Varianten der CC-Lizenzen und der Autor hat die Möglichkeit, die Rechte einzuräumen, die er möchte. Nur bei der Variante CC-Zero-Lizenz verzichtet der Autor auf sämtliche Schutzrechte und die Texte werden damit gemeinfrei.

Wikisource stellt eine Sammlung von Autoren und Texten zusammen, die gemeinfrei oder unter freier Lizenz stehen. Das freie internationale Project Gutenberg bietet vor allem englischsprachige Werke an, hat aber auch viele deutschsprachige Werke im Archiv. Projekt Gutenberg-DE, das vorrangig deutsche Literatur anbietet, nimmt im Gegensatz zu Project Gutenberg Lizenzgebühren für kommerzielle Nutzung seiner Texte.

 

 

Allgemein Illustration Liebling des Monats

Liebling des Monats

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Arthur Schnitzler: Traumnovelle (1926) | Eine Graphic Novel von Jakob Hinrichs

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Der Arzt Fridolin und seine Frau Albertine führen eine Ehe mit einer recht klassischen Rollenaufteilung. Zwei durchschnittliche, gewöhnliche Menschen, deren Lebensgestaltung von den Wünschen der Gesellschaft geprägt wird, dabei aber äußerlich zufrieden wirkt. Aber wie so häufig bei Schnitzler – sind es auch zwei Menschen mit verborgenen Lebenslügen, herausgefordert in einer Gesellschaft, die trotz suggerierte Freiheit voller ungeschriebene Gesetze und Tabus steckt. Mit einem Gespräch in einem Riesenrad beginnt für Fridolin und Albertine überraschend eine Zeit der Entdeckung der bisher unterdrückten Begierden. In den erotisch geprägten Fantasien verschwinden die Grenzen zwischen Traum und Realität. Schnitzers »Traumnovelle« wurde auch in Stanley Kubricks letztem Film »Eyes Wide Shut« (1999) verarbeitet.

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Die illustrierte Interpretation und die Novelle ergänzen sich gegenseitig, aber jede für sich funktioniert auch sehr gut einzeln als vollkommen selbstständiges Werk. Der abstrahierte Stil – mit klaren Formen und Farben – schafft Distanz zu den persönlichen Fantasien und ermöglicht den Figuren (und dem Leser) Privatheit trotz intimer Geständnisse. Zudem schaffen die Illustrationen eine schöne surrealistisch angehauchte Atmosphäre zwischen Traum und Wirklichkeit. Die Kostüme und Masken liebe ich am meisten.

nahDas Buch ist bei Büchergilde erschienen. Mehr dazu bei Jakob Hinrichs. Seinen Blog lese ich auch sehr gern.